Am 19.Oktober 2011 hat ein neuer Intensivpflegedienst in Wetzlar seine Pforten geöffnet: „Pour la vie“, was wörtlich übersetzt „für das Leben“ bedeutet und das ist auch das Motto: das Leben über alles stellen und besonders lebenswert machen.
Geschäftsführer Meiko Spitzenberger von der Morpheus Unternehmensgruppe GmbH gratulierte dem neuen Betriebsleiter Herrn Sergej Klein und dem Pflegedienstleiter Johannes Sahms zur Geschäftseröffnung der außerklinischen Intensivpflege. Teamleiter und Angehörige waren vor Ort, um die Geschäftsstelle und die Ansprechpartner kennenzulernen. Bei einem kleinen Imbiss blieb dafür genug Zeit.
Ich verlängere meinen Aufenthalt anlässlich der Eröffnung von „Pour la vie“ um eine ganz besondere Patientin zu besuchen: Frau Mehler (Name geändert, Anm. Red.), Jahrgang 1965, wird rund um die Uhr vom Pflegeteam „Pour la vie“ betreut. Sie ist bereits 26 Jahre verheiratet, hat vier Kinder und ein Enkelkind und lebt in der Nähe von Wetzlar. Frau Mehler hat ALS im fortgeschrittenen Stadium (Amyotrophe Lateralsklerose, degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems), Motorik und Sensibilität sind nicht mehr vorhanden. Dennoch kommuniziert sie nonverbal über ein spezielles Computerprogramm, das ihr Augenzwinkern in Worte umsetzt.
„Ich bin mit meinem Mann und dem Pflegeteam auf vielen Konzerten, gehe ins Kino. Letzte Woche waren wir bei einem Musical und einer Jubiläumsfeier der Shanty-Chöre“, teilt mir Frau Mehler über den Bildschirm mit. Es sei wichtig, „Mut zum Leben [zu] haben, zu kämpfen um ein lebenswürdiges Leben und sich nicht ein[zu]igeln“.
So bald wie möglich wolle sie zu ihrer Tochter nach Schleswig-Holstein fahren und ihren am 16.10.2011 geborenen Enkel besuchen. „Verzweifelt suchen mein Mann und das Pflegeteam einen bezahlbaren behindertengerechten Kleinbus, damit wir alle dorthin fahren können.“
Frau Mehler zeigt enorme Kraft, Ausdauer und Mut. Sie wirkt trotz ihrer Krankheit lebensfroh. Das war jedoch nicht immer so, erzählt mir die Familie und das Pflegeteam. Lange lebte Frau Mehler in einem Pflegeheim, wollte jedoch unbedingt wieder nach Hause. Also organisierte sie mit Kampfgeist und Überzeugungskraft den Wechsel vom Pflegeheim nach Hause ganz alleine, fand den Pflegedienst, überzeugte die Krankenkasse und unterrichtete das Heim darüber. Ihren geschätzten Pfleger Sergej Klein nahm sie mit zu sich.
Frau Mehler war vor ihrer Krankheit, die 2003 ausbrach, eine Vogelzüchterin mit einer großen Voliere. Heute hat sie um sich herum Kanarienvögel. Ihr größter Traum, so schreibt sie mir, sei ein Hund. Der Vierbeiner ihres Ergotherapeuten bereitet ihr bereits große Freude, wenn er mal für ein paar Stunden bei ihr sein darf.
Als ich mich von Frau Mehler verabschiede, meine ich ein Leuchten in ihren Augen zu erkennen.
Welche eine starke Frau !
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